Bevölkerungsentwicklung

Südbayern, und damit auch die Landkreise Dachau (DAH), Aichach-Friedberg (AIC), sowie Neuburg-Donau (ND) gehört zu den Landkreisen in Bayern und Deutschland, die eine anhaltend starke Bevölkerungsentwicklung zwischen 5% – 12% und höher erleben ( 8. Mai 2018 Süddeutsche Zeitung – Prognose Bayern wächst – aber sehr ungleichmäßig  )  und Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung – Die demographische Lage der Nation 04/2019
Dies bedeutet eine erhebliche Zunahme an Bewohnern in diesen Landkreisen, sowie auch nachfolgend eine Zunahme an Gewerbe- und Industriebereichen.
Nähere Zahlen sind dort zu finden: Die Paartalbahn in Zahlen

Metropolregion München
Die Paartalbahn liegt im Städtedreieck München – Ingolstadt – Augsburg der Metropolregion München . Sie bildet damit eine derzeit stark vernachlässigte Mobilitätsachse in der Schieneninfrastruktur in diesem Großstadt- und Metropoldreieck. Die Folge ist einen völlig unkontrollierter Straßenbau, und eine massiver fossiler Straßenverkehrszunahme, die zu Dauerstau im Verdichtungsraum München führt.
Merkwürdigerweise werden die Landkreise ND und AIC zwischen Ingolstadt und Augsburg als Metropolrandlange betrachtet, obwohl diese beiden Großstädte / Metropolen Augsburg und Ingolstadt die westliche Schienenverkehrsachse und Bustangentialverkehrs darstellen. Sie hat ebenso eine stark zunehmenden Einwohneranzahl mit derzeit ca. 651 000 Einwohner.
Diese öffentliche Verkehrsachse darf verkehrspolitisch als völlig vernachlässigt betrachtet werden. Selbst kurze und einfach Busverbindungen zum MVV-Raum und zum S-Bahnnetz fehlt fast völlig, ebenso wie der politische Wille für die Weiterentwicklung dieser Regionnalbuslinien.

Verkehrsentwicklung
Durch den anhaltend starken Zuwachs an Gewerbe, Industrie und Bevölkerung ist lediglich ein reflexhafter, exzessiver Straßenverkehrszuwachs (Privater fossiler Autoverkehr und Straßengüterverkehr) die unmittelbare übliche Folge. Damit unmittelbar verbunden ist eine massive Zunahme der Straßeninfrastruktur (beispielhafter Ausbau der B300 zur „Gelben Autobahn“ und unzählige Umgehungsstraßen mit Autobahnkleeblättern zur B300), da nur in diese Straßeninfrastruktur investiert wird, während der Schienen- und Busverkehr meist lediglich politisch-freundliche Erwähnung vor Wahlen findet.
Dem gegenüber stehen ein hoher Bedarf an Öffentlichen Verkehr, ein nachhaltiger Schienennah- und Schienengüterverkehr, sowie ein getakteter Regionalbustangentialverkehr, der auch wegen fehlender / zerstörter Schieneninfrastruktur nicht befriedigt werden kann.
Schmerzlich macht sich das Fehlen einer Mobilitätskonzeptes in den Landkreisen AIC, ND und Ingolstadt (wie in ganz Bayern) bemerkbar. Es fehlt sowohl an einem Schienenwegausbaukonzept, als auch an einem regionalen Express-Buslinien(tangential)konzept, sowie an einen Zeithorizont für dessen Umsetzung.
Selbst eine einfache MVV-Buslinienverlängerung von Dasing nach Pasing via A8 ist an politischen Gründen gescheitert (Augsburger Allgemeine, 10.12.2016, Schnellbus von Dasing nach Pasing kommt nicht in die Gänge).

Verkehrsströme
Hier haben sich seit Inbetriebnahme der Paartalbahn im Jahre 1875 erheblich Veränderungen ergeben. Von der ehemaligen eher vom militärisch und strategisch geprägten Eisenbahninfrastruktur, die die zwei (militärsich) wichtigen Großstädte Ingolstadt und Augsburg verbindet, hin zum Zubringer der Arbeitnehmer und Schüler für diese Industriegroßstädte in einer Metropolregion und in die dortigen regionalen Gewerbe- und Industriestandort.
Ein starker lokaler Schienengüterverkehr mit vielen örtlichen Gleisanschlüssen (für Landwirtschaft, Gewerbebetriebe und Ölverkehr) ergänzte dieses Transportsystem auf der Paartalbahn.
Ergänzend wurde ein Post-, Stückgutverkehr und Warenexpressdienst per Schiene angeboten.
Mit der Aufgabe der Rangierbahnhöfe Augsburg und Ingolstadt, wurde auch der lokale Güterverkehr auf der Paartalbahn fast vollständig auf die Straße verlagert.
Es werden dazu mehrere hundert Mio. € für den Ausbau der B300 zur sogenannten gelben Autobahn aufgewendet. Im Gegenzug wird die Paartalbahn weiter vernachlässigt und weitere Gleisanschlüsse stillgelegt, betrieblich wichtige Schieneninfrastruktur (Gleis 3 in Aichach und Schrobenhausen), abgebaut, sowie der regionale und örtliche Güterverkehr fast vollständig auf die B300 verlagert.
Heute ist der Großraum München, Ingolstadt und Augsburg ein immer stärker werdendes Pendlerzielgebiet und damit der Taktgeber für die Pendlerströme aus ganz Südbayern. Jedoch sind die Landkreise ND und AIC nur sehr mangelhaft mittels ÖPNV an diese Zentren angebunden. Folglich muss eine vorhandene Eisenbahninfrastruktur diesen Bedürfnissen und Aufgaben folgen, um für den Bürger weiterhin von Nutzen sein zu können.

Die reflexartige Lösung, mehr politisch erzeugten Straßenverkehr durch noch mehr Straßenbau zu bewältigen, ohne zukunftsfähige Transport- und Mobilitätslösung, wird immer noch verkehrspolitisch als die erstrebenswerte und einzig optimale Verkehrspolitik betrachtet.

Die Pendlerströme sind nach eigenen Beobachtungen nachfolgend: Hauptnutzer der Paartalbahn haben ihr Ziel oder Quelle zwischen Ingolstadt und Augsburg von 99%.
Ca. 1% sind Umsteiger nach anderen Zielen in Ingolstadt, in Augsburg-Hochzoll nach München. Schon weil hier die ÖPNV-Fahrt nach München einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Umwegaufwand fordert.
Der Hauptpendlerstrom in den MVV Raum München wird zu 99% mit dem fossilen Autoverkehr abgewickelt.
Der ÖPNV spielt wegen eines fehlendem Angebotes in den MVV-Raum, und dessen damit fehlenden Netzwirkung, fast Rolle.

Von Pendlerquellgebiet Altlandkreise Aichach / Schrobenhausen nach Pendlerzielgebiet Raum Dachau, Raum Karlsfeld, München-Allach sind es ca. 16 000 – 20 000 Ein- und Auspendler in diese Räume, die ohne ÖPNV-Anschluss sind.
Wegen des fehlenden ÖPNV Angebotes überlastet daher der Autoverkehr massiv die Landkreise und Gemeinden im Raum Dachau, München und Landkreis München.
Die Autoverkehrszahlen sind weiter stark zunehmend. Eine öffentliche Mobilitätsoffensive wird nur diskutiert, jedoch nicht geplant.
Einzelne Überlegungen (keine Planung!) sollen erst weit nach 2050 angegangen werden.
In Folge werden mit dem fossilen Autoverkehr überwiegend die P+R-Anlagen in Pfaffenhofen und entlang der S-Bahnlinien S2 Petershausen / Altomünster und Dachau überflutet und massiv in das Stadtgebiet München geleitet. Dies führt zu massiven Umweltproblemen und Straßenbauinvestitionskosten in mehreren Mrd. € Höhe, um das Problem des Autoverkehrs in irgendeiner Form zu lindern, die weitere Straßenbaufolgeinvestitionskosten in Mrd. € Höhe nach sich ziehen. Ein verkehrspolitischer Teufelskreis, ohne absehbares Ende.

Der Landkreis Dachau (Süddeutsche Zeitung vom 27.06.2016 – Dachau Entwickelt sich zum Transitlandkreis) wird bereits als Autotransitlandkreis betrachtet. Wie immer reagiert man darauf politisch reflexhaft mit massiven Straßenneubau und Autotunnelneubau, die mehrere Mrd. € Kosten verursachen.
Im Gegensatz zum ÖPNV, der derzeit mit 0 € Investition und ohne jegliche zukunftsfähige ÖPNV-Planung dasteht.
Die aktuellen Penderströme werden durch den Planungsverband München zwar anschaulich dargelegt. Jedoch fehlt in der Darstellung eine Trennung zwischen Autoverkehr und ÖPNV Nutzung.
Deutlichere Zahlen über das Pendlerverhalten enthält das Gesamtverkehrskonzept des Landkreises Dachau (2015).
Die verwendeten Zahlen sind aus unterschiedlichen Quellen und aus verschiedenen Jahren. Sie geben daher nicht unbedingt ein absolutes aktuelles Mobilitäsbild ab.
Es zeigt aber deutlich den Mobilitätsbedarf zwischen den Landkreisen AIC / ND und Lkr DAH und Stadt München, u.a.

Strukturgutachten Dachau Bahnhof – Altomünster Linie A
In diesem Infrastrukturgutachen zum Ausbau der Linie A zur S-Bahn S2A aus dem Jahre 2004  S2A_linie_strukturgutachten wird am Rande auf die sehr hohen Pendlerströme zwischen dem Landkreis Aichach und Dachau, sowie München, eingegangen. Diese Zahlen wurden bereits erreicht oder überschritten.
Ein Lückenschluss zwischen der Paartalbahn und dem S-Bahn Netz München ist zwingend erforderlich. Ein öffentliches Mobilitätsangebot ist dringend kurzfristig notwendig und möglich.
Eine ausreichende Fahrgastnachfrage und ein hohes Fahrgastpotential ist vorhanden.